Archiv der Kategorie: Politik

„Evakuiert Moria – Wir haben Platz“

Der Flüchtlingsrat Augsburg und der AK Lesbos rufen zur Kundgebung auf:

Samstag, 12.09., 17.00 Uhr, Elias-Holl-Platz

In der Nacht auf Mittwoch sind große Teile des Flüchtlingslagers Moria auf der griechischen Insel Lesbos abgebrannt. Ein Brand mit Ansage.


Die katastrophale Situation in Moria war und ist seit langem bekannt: In dem Lager, das ursprünglich für 3.000 Personen ausgelegt ist, lebten bis zuletzt mehr als 13.000 Menschen. Schon seit Jahren machten die Menschen dort selbst und zahlreiche Organisationen auf die menschenunwürdigen Bedingungen aufmerksam. In Zeiten der Corona-Pandemie mussten Tausende in Zelten oder im Freien schlafen, es gab nicht genügend sanitäre Anlagen, für Nahrung mussten die Menschen oft stundenlang anstehen. Abstand halten, sich vor dem Virus schützen, war in dieser Situation nicht möglich.

Zahlreiche Kommunen in Deutschland haben sich bereits vor Monaten bereit erklärt, Menschen aus den Lagern auf den griechischen Inseln aufzunehmen. Auch die Friedensstadt Augsburg hat mit zwei Briefen an Ministerpräsident Markus Söder und Bundesinnenminister Horst Seehofer ihre Bereitschaft bekräftigt, Kinder und Jugendliche auf Lesbos aufzunehmen.

Wir, wie auch viele anderen Kommunen sind bereit, Menschen aus Moria Schutz zu bieten und ein Ankommen zu ermöglichen, doch das Bundesinnenministerium blockiert dies, mit dem Verweis, dass es eine europäische Lösung brauche.

Lasst uns daher aufstehen, lasst uns auf die Straße gehen und ein Zeichen setzen – für die sofortige Evakuierung von Moria und die sofortige Aufnahme der Menschen aus den Lagern! Denn #wirhabenplatz!

Dazu treffen wir uns am Samstag, 12.09. um 17.00 Uhr am Elias-Holl-Platz.

Bitte tragt während der gesamten Kundgebung einen Mundnasenschutz und haltet Abstand zueinander.

Aufruf zur Besinnung: Humane Bildung statt Metrik und Technik

Link zum Originalartikel: http://www.aufwach-s-en.de/2020/07/aufruf-zur-besinnung-humane-bildung-statt-metrik-und-technik/

Aufgrund der Covid-19-Pandemie wurden im gesamten Bundesgebiet Schulschließungen und Fernbeschulung veranlasst. In der Folge intensivierten sich die Forderungen nach der unverzüglichen digitalen Transformation von Schule und Unterricht. Beschlossen wurden die Aufrüstung der Schulen (Server, WLAN), Fortbildungen und Endgeräte für Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie der Auf- und Ausbau von Schulclouds, mehr Onlinedienste und digitale Tools für den Unterricht. Es geht also nur um Technik?
Von Matthias Burchardt und Ralf Lankau

Außen vor bleiben Themen wie die entstehende Infrastrukturen für netzbasierten Online-Unterricht (Fern- statt Präsenzunterricht auch ohne Covid-19) samt Folgekosten oder die Auswirkungen für den Unterricht. Ausgespart wird die zwingend notwendige Diskussion über das sich ändernde Menschenbild, den „heimlichen Lehrplan“, der mit der digitalen Beschulung einher geht, wenn Kinder und Jugendliche alleine an Lernstationen ihre Wochenpläne am Rechner abarbeiten. Automatisierung, Digitalisierung, Steuerung und Kontrolle von Prozessen: So hat die amerikanische Wissenschaftlerin Shoshana Zuboff bereits 1988 die Prinzipien der Informationstechnik benannt.

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Pressemitteilung: Der Mangel an digitalen Endgeräten

Die Corona-Krise führt die zunehmende Spaltung der Gesellschaft auch an Schulen deutlich vor Augen

Augsburg, 18.06.2020. Die Corona-Pandemie führt die digitale Spaltung der Gesellschaft drastisch vor Augen. Während die meisten Gymnasien und Gymnasiasten zumindest hinlänglich über die technischen Voraussetzungen für das Homeschooling verfügen (ca. 20-25% der Gymnasiast*innen in Augsburg haben noch Bedarf an Geräten, laut einer nicht repräsentativen Umfrage), fehlt es Mittelschulen und ihren Schüler*innen am Nötigsten. Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt: Vor allem Kinder aus bildungsfernen Familien, von Geringverdienern und aus Familien mit Migrationshintergrund stehen deutlich schlechter da als ihre Altersgenossen aus finanziell besser gestellten Familien.

Wer digital lernen will, braucht zudem Eltern, die genug Zeit und Know-How haben, sich mit Laptop und Lernplattformen auseinanderzusetzen. Gerade in den Familien von Mittelschülern ist diese Ressource häufig Mangelware. Das liegt daran, dass in Deutschland ein zutiefst ungerechtes Land ist, was die Bildungschancen angeht. Nach wie vor – das zeigt auch ein Blick in den Augsburger Sozialbericht und in das Augsburger Bildungsmonitoring – besuchen vor allem Kinder aus materiell gesicherten bis gut ausgestatteten Elternhäusern das Gymnasium. Auf den Mittelschulen landen dagegen überproportional viele Kinder aus armen Familien.

„Die Politik sollte alle Kraft darauf verwenden, diese Schieflage endlich zu beseitigen. Die GEW fordert: Alle Kinder, ob aus armen oder reichen Familien, haben das Recht auf Chancengleichheit in der Bildung. Kinder aus armen Elternhäusern brauchen nicht nur die digitale Ausstattung. Die Politik muss auch dafür sorgen, dass ihre schlechteren Startbedingungen in der Schule aufgefangen und wettgemacht werden. Es gilt wie so oft die Feststellung von Prof. Dr. Christoph Butterwegge: Die Kinder sind nicht verantwortlich für die Armut in der sie aufwachsen. Daher muss die Gesellschaft sie besonders fördern und unterstützen“, so Dr. Tobias Bevc, Vorsitzender der GEW Augsburg.


„Auch die GEW Augsburg sammelt Laptops. Insbesondere für Schüler*innen an Mittelschulen. Uns ist allerdings bewusst, dass wir damit nur ein Pflaster auf die in der Krise deutlich sichtbaren Wundstellen der Gesellschaft kleben. Was Not tut: Ein Systemwechsel, der endlich wirkliche Chancengleichheit garantiert“, so Bevc weiter.

GEW Augsburg sammelt gebrauchte Laptops um sie an Schüler*innen ohne digitale Endgeräte für das Homeschooling weiterzugeben

Pressemitteilung der GEW KV Augsburg

Augsburg, 22.05.2020. Um die Ungerechtigkeiten des Homeschooling aufgrund fehlender digitaler Endgeräte ein wenig zu lindern, will der Kreisverband der GEW Augsburg abgelegte Laptops sammeln und für den Homeschooling Einsatz in Familien herrichten, die über kein geeignetes Gerät verfügen. „Wir sammeln gebrauchte Laptops, die jedoch in funktionstüchtigen Zustand und in der Lage sein müssen, die aktuelle Office Software zu verwenden. Wir möchten die Daten auf gespendeten Geräten datenschutzkonform löschen und mit Open Source Betriebssystem und Software versehen. Gegen ein geringes Pfand werden wir dann die Geräte verleihen“, so Dr. Tobias Bevc, Kreisvorsitzender der GEW Augsburg.

Katrin Fischer, Personalrätin und stellvertretende Kreisvorsitzende und Lehrerin an einer Mittelschule, ist der Auffassung, dass der Bedarf momentan vor allem akut ist in den Abschlussklassen 9R, 9P, 10M der Mittelschulen. „Viele Schüler*innen hier benötigen dringend digitale Endgeräte, um zu Hause ihre Abschlussprojekte fertigstellen zu können. Piazzolos Paket mit 25.000 Laptops für die bayerischen Schüler*innen reicht hinten und vorne nicht. Daher sind wir gezwungen auf anderen Wegen, die Schüler*innen mit ausreichender technischer Hardware auszustatten, so dass sie in der Lage sind, ihre Arbeiten abzuschließen.“

„Die Corona Krise und das durch sie erzwungene Homeschooling zeigt mal wieder sehr deutlich, dass das Bildungssystem in Deutschland und Bayern sehr ungerecht ist. Kinder aus bildungsfernen Familien und aus armen Haushalten sind massiv benachteiligt. Durch unsere Aktion hoffen wir, wenigstens einige Härtefälle abfedern zu können, sind uns aber bewusst, dass wir das staatliche Versagen nicht kompensieren können“, schätzt Dr. Bevc die Situation ein.

Die GEW Augsburg freut sich über Laptop-Spenden, solange diese ausreichend Systemvoraussetzung mitbringen, damit die aktuelle Office Software darauf gut funktioniert. Da im digitalen Unterricht auch häufig Videokonferenzen verwenden werden, wäre es optimal, wenn die Laptops auch über Kameras verfügen würden, was aber keine Voraussetzung für eine Spende ist.

Kontakt:Dr. Tobias Bevc, info@gew-augsburg.de

Stark machen für den Frieden

Aus der jungen Welt, Ausgabe vom 07.05.2020, Seite 8 / Rubrik: Abgeschrieben

Stark machen für den Frieden

Erhard Stenzel, der letzte noch lebende deutsche Widerstandskämpfer der französischen Résistance, teilte zum 8. Mai 2020 mit:

(…) Der Hitlerfaschismus war das brutalste, grausamste Verbrechen an der Menschheit im 20. Jahrhundert. Ich habe zwei Tage nach dem großen Verbrechen am 10. Juni 1944 in Oradour-sur-Glane die verbrannten Körper von Frauen, Kindern, Greisen und Männern gesehen. In der Kirche, in einer Scheune und teilweise in Wohnhäusern waren sie eingesperrt und einfach verbrannt worden. Ca. 500 verkohlte Leichen. Wir haben geweint. Diese grausame Spur des Verbrechens hinterließ die 2. SS-Panzer-Division »Das Reich«. Zwei Monate später erreichten wir Paris am 24./25. August 1944. Wir jagten mit unserer Kampfgruppe deutscher Partisanen-Résistance-Kämpfer an der Seite amerikanischer Streitkräfte die SS, die Gestapo und die Wehrmachtseinheiten. Paris wurde zum Glück kein Trümmerhaufen, wie Hitler es befohlen hatte.

Die Entscheidung über das Ende des Zweiten Weltkrieges fiel zunächst in der Sowjetunion, in den erfolgreichen Schlachten der Roten Armee bei Stalingrad, vor Moskau, Leningrad, im Kursker Bogen, später dann auf den Seelower Höhen und bei der Befreiung Berlins. (…)

Die damalige Losung bei unserer Heimkehr lautete: »Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!« Verdammt – die Losung ist heute wieder äußerst aktuell. Faschisten in Teilen der Welt, in einigen Ländern Neonazis, rechtsradikale Gruppierungen sowie Teile der AfD organisieren Demonstrationen, marschieren in deutschen Städten auf den Straßen, besetzen teilweise mit gewählten Abgeordneten die Parlamente, unterwandern den Staat und die Institutionen. Und welche Schande: Verbände der Bundeswehr beteiligen sich an der russischen Staatsgrenze an monatelangen Manövern der NATO. Eine solche Provokation hat die russische Bevölkerung nicht verdient. Die Russen wollen keinen Krieg! Die Friedenskräfte in der Welt müssen stärker aktiv werden. (…)

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Artikel aus dem ND: Kontaktloses Lernen. Die Coronakrise zwingt Schüler, Lehrer und Eltern zu einem neuen digitalen Bildungsalltag

Kontaktloses Lernen. Die Coronakrise zwingt Schüler, Lehrer und Eltern zu einem neuen digitalen Bildungsalltag

Seit Jahren propagieren Wirtschaftslobbyisten das »E-Learning«. Medien wie Smartphone und Tablet, so vereinbarten Bund und Länder im lange umstrittenen »Digitalpakt«, sollen schon in den Grundschulen als zentrales Arbeitsinstrument dienen. Die Bedenken von Praktikern, die den engen persönlichen Kontakt zwischen Lernenden und Lehrenden für unverzichtbar halten, wurden weitgehend ignoriert.